Schläge verändern das Gehirn


Gewalt gegen Kinder
Schläge verändern das Gehirn
Valeriya Popova 22/shutterstock.com

Ohrfeigen, Hintern-Versohlen und andere körperliche Züchtigungen schmerzen ein Kind nicht nur körperlich. Sie schaden auch der Psyche – und hinterlassen tiefe Spuren in den neuronalen Netzen.

Ohrfeigen und Prügel seit 2000 verboten

Seit dem Jahr 2000 haben Kinder in Deutschland das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Das bedeutet auch, dass der Klaps auf den Po und die Ohrfeige nicht mehr erlaubt sind. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Körperliche Züchtigungen als Erziehungsmaßnahme sind in einigen Familien durchaus noch an der Tagesordnung.

Doch Gewalt, insbesondere von Eltern oder Erziehungsberechtigten ausgeübt, ruft komplexe Reaktionen im Gehirn hervor. Sie kann sogar die Aktivität der Nervenzellen und damit die neurologische Entwicklung von Kindern beeinflussen, hat ein amerikanisches Forscherteam nun herausgefunden.

Nervenzellen reagieren auf Schläge

Das Forscherteam untersuchte bei 149 Kinder im Alter von 11 bis 14 Jahren, wie ihre Nervenzellen auf Fehler und Belohnungen während verschiedener Video- und Ratespiele reagierten. Dafür wurde während des Versuchs die Gehirnwellentätigkeit mit einem EEG aufgezeichnet. Erziehungsstil und das Vorliegen von Angst oder Depressionen erhoben die Forscher*innen mithilfe von Fragebögen.

Zunächst zeigte sich der ohnehin schon bekannte Effekt: Kinder, die Gewalt ausgesetzt waren, waren häufiger depressiv und ängstlich. Doch auch die im EEG gemessene Reaktion der Nervenzellen spiegelte die Schläge wider. Bei denjenigen, die körperliche Bestrafungen erfuhren, reagierten die neuronalen Netze verstärkt auf Fehler, aber abgeschwächt auf Belohnung.

Überempfindlich gegenüber eigenen Fehler

Körperliche Strafen machen Kinder und Jugendliche hypersensibel gegenüber ihren eigenen Fehlern, erklären die Wissenschaftler*innen. Gleichzeitig reagieren sie weniger auf Belohnungen und andere positive Ereignisse in ihrer Umwelt. Allein diese zwei Faktoren können maßgeblich zur Entwicklung von Ängsten und Depressionen beitragen.

Quellen: kinderaerzte-im-netz.de, Biological Psychiatry: Cognitive Neuroscience and Neuroimaging

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